Die Krankheit

Die Veränderungen kamen langsam. Ich reagierte zunehmend gereizter und war von Allem und Allen nur noch genervt. Meine Kopfschmerzen wurden immer schlimmer und unerträglicher. Ich wurde immer schwächer, mir war ständig schlecht, was auch zur Folge hatte, dass ich keinen Appetit mehr verspürte. Außer schlafen  und arbeiten ging so gut wie nichts mehr. Wobei ich in der Arbeit am Schreibtisch auch eingeschlafen bin. Ich fühlte mich einsam und leer und hatte den Eindruck, dass ich neben mir stehe und beobachte, wie mein Leben an mir vorüber läuft. Als ich dann am 29.12.2012 verkündete, dass der Hubschrauber gleich kommen würde um mich in die Klinik zu fliegen, wo mir der Wahnsinn aus dem Kopf geschnitten werden soll, wurde meine Umgebung mobil.

 

Diagnose: Psychisch krank – Kann das sein?

 

 Ich kam tatsächlich ins Krankenhaus, wo man auf Grund meiner Symptome bei mir eine psychische Erkrankung diagnostizierte. Einer Assistenzärztin habe ich es zu verdanken, dass bei einer Untersuchung des Nervenwassers festgestellt wurde, dass ich an einer Hirnentzündung litt. Andernfalls wäre ich wohl mit Psychopharmaka vollgestopft worden und in der Psychiatrie gelandet.Was meine Hirnentzündung ausgelöst hat blieb allerdings völlig schleierhaft. So bekam ich nur Medikamente gegen die Entzündung. Daraufhin besserten sich zwar die Entzündungswerte, aber an meinem desolaten Zustand änderte sich überhaupt nichts.

 

Zwölf endlos lange  Wochen

 

 Nach gut einer Woche im Krankenhaus wurde ich wieder entlassen und kam zur Anschlussheilbehandlung in eine Reha-Klinik. Dort durfte ich dann die nächsten zwölf Wochen verbringen. Diese wurden nur durch einen Aufenthalt im Epilepsiezentrum in Erlangen unterbrochen. Denn zu allem Übel waren in der Zwischenzeit auch noch epileptische Anfälle bei mir noch dazugekommen. Bei der dortigen Untersuchung des Blutes fand man einen erhöhten Wert an Antikörpern. Im Entlassbericht der Klinik stand dazu die Bemerkung, dass der Wert bei Gelegenheit wieder kontrolliert werden müsste.Wirklich interessiert hat sich aber zum damaligen Zeitpunkt zu meinem Leidwesen niemand dafür. Mein desolater Zustand hat sich im Verlauf der Reha nicht im geringsten gebessert. Ich war nach wie vor nicht in der Lage die einfachsten Dinge des täglichen Lebens zu erledigen. Zum Glück hatte ich super Mitpatienten, die auf mich aufpassten und mir halfen. Zum Ende der Reha wurde ich als faul und in der Krankenrolle verweilend entlassen. Ich solle wieder arbeiten gehen, dann würde sich alles wieder von selbst regeln. Das wurde mir mit auf den Weg gegeben.

 

Spurensuche im Netz

 

Trotz meines schlechten Zustandes, ist mir in dem besagten Entlassbericht der Hinweis auf den Antikörper  mGlur5 aufgefallen. Ich begann im Internet Nachforschungen darüber anzustellen. Dabei stellte sich heraus, dass dieser Antikörper vor noch nicht allzu langer Zeit erst entdeckt wurde. Dabei bin ich auch auf drei Ärzte gestoßen, die sich mit der Erforschung dieser Erkrankung befassen. Allen dreien habe ich daraufhin meine Geschichte geschrieben. Auf eine Antwort musste ich nicht lange warten.

 

Lichtblick Charite

 

Herr Dr. Prüß hat mich dann zu sich in die Charitè nach Berlin geholt. Das war Juni 2013. Über ein halbes Jahr nach Beginn des ganzen Desasters, war nun endlich klar was mit mir los war und ich bekam nun die richtige Behandlung für meine Erkrankung. Ich bekam einen Katheter in den Hals und es wurde nun erst mal eine Plasmapherese durchgeführt  um den Antikörper  aus meinem Blut zu entfernen. Nach Abschluss dieser Behandlung bekam ich dann noch ein Immunsupressiva verabreicht. Dank Dr. Prüß begann sich mein Leben nun langsam wieder zu normalisieren. Die Therapie mit der Blutwäsche wird jetzt ca. alle zwei Jahre bei mir gemacht, während ich das Immunsupressiva jetzt regelmäßig im Abstand von etwa sechs Monaten bekomme. Mittlerweile geht es mir wieder so gut, dass ich auch wieder arbeiten kann. Allerdings bin ich jetzt in einem ganz anderen Berufszweig tätig als vor der Erkrankung. Eine Fortsetzung meiner Lehrtätigkeit für OTA`s und des Studiums der Pflegepädagogik war leider nicht mehr möglich.

 

 

Weitere Infos finden Sie auf der Seite des Deutschen Ärztenetzwerks.

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© Stephanie Schüler